Nearshoring: Nur ein Trend oder sinnvoll?

5 wichtige Vorteile für Ihre IT- & Software-Projekte

Die Softwareentwicklung outzusourcen ist mittlerweile für viele Unternehmen schon Best Practice. Allerdings ist bei lokalen Entwicklern nicht nur der Kostendruck hoch. Spezialisten im DACH-Raum sind ebenfalls schwer zu finden – Stichwort Fachkräftemangel.

Als Lösung sich ein Trend mittlerweile schon fast etabliert: das Nearshoring. Der deutsche Bundesverband IT-Mittelstand e.V. spricht von Nearshoring als strategischem Wettbewerbsvorteil für KMU, um Zugang zum notwendigen Know-how bei hoher Skalierbarkeit und Kosteneffizienz zu sichern.

Nur ein Trend oder eine nachhaltig sinnvolle Entwicklung? In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die Vorteile und Risiken von Outsourcing via Nearshoring und wie Sie den richtigen Partner für Ihr Projekt finden.  

Was versteht man unter Nearshoring?

Nearshoring bedeutet grundsätzlich, Prozesse oder Dienstleistungen – z. B. Software entwickeln zu lassen – in geografisch nahegelegene Länder zu verlegen. Wichtig für viele Unternehmen: In Westeuropa sind das oft zentral-, ost- oder südeuropäische Länder, sprich das Projekt wird innerhalb der EU umgesetzt. Die Zusammenarbeit mit den Entwicklerteams läuft in der Regel über einen Nearshoring-Partner.

Was sind die Ziele von Nearshoring?

Gehen wir also von Nearshore Software Development aus, ist das übergeordnete Ziel von Nearshoring, eine effiziente Softwareentwicklung zu gewährleisten. Dazu gehört es, kosteneffizienter zu agieren und dabei die gleiche Qualität und Rechtssicherheit wie im Heimatmarkt, etwa bei Softwareentwicklung in der Schweiz oder in Deutschland, zu gewährleisten. 

Schauen wir uns die Nearshoring-Vorteile und -Chancen im Detail an.

5 Vorteile & Chancen von Nearshoring

Die Bedeutung von Nearshoring für Unternehmen geht weit darüber hinaus, „nur“ Kosten zu sparen. Das Outsourcing der Softwareentwicklung birgt einiges an Potenzial im Hinblick auf die Effizienz, Flexibilität und kann – bei professioneller Durchführung – zu einem Produktivitätsbooster für die Digitalisierung Ihres Unternehmens werden. Es gibt also einige gute Gründe für Nearshoring:

1. Kosteneffiziente Softwareentwicklung

Geht es um Nearshoring und seine Vorteile, sind die Kosteneffizienz und einfache Budgetierung für viele Unternehmen die wichtigsten Argumente. Da die Zuständigkeit für das Entwicklungsteam bei Ihrem Nearshoring-Partner liegt, sparen Sie u. a.:

  • Kosten für Recruiting oder Headhunter sowie Onboarding
  • Gehaltskosten & Sozialabgaben durch ein schlankeres Team
  • Geringerer Bedarf an Büroräumen & technischer Ausstattung
  • Weniger Aufwand für Trainings, Events und Goodies
  • Weniger Betreuungsaufwand, da kaum oder nur sehr wenig Management-Overhead

Dazu kommt: Statt die Posten einzeln abzurechnen, werden sie in einem Stundensatz einkalkuliert, sodass Sie die Leistung einfach im Budget einplanen können. Damit Sie sich eine konkrete Vorstellung von der Ersparnis machen können, haben wir in einer Modellrechnung die Kosten verglichen. 

Mit unserem Nearshoring-Modell (Entwicklungscenter in der Slowakei) sparen Sie im Vergleich zum eigenen Team etwa 40 Prozent an Vollkosten. Noch deutlicher wird der Unterschied gegenüber einem Onshoring-Team, hier sind es sogar rund 50 Prozent Ersparnis.

2. Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften

Recruiting ist zeitaufwendig, teuer und im Fall von IT-Experten im DACH-Raum meistens nicht von Erfolg gekrönt. Setzen Sie hingegen auf IT-Nearshoring, lagern Sie das Recruiting aus und erhalten Zugang zu einem breiten Talentpool an Entwicklern und IT-Experten. So sparen Sie sich das Wettrennen um lokale Entwickler und natürlich auch damit verbundene Kosten und Aufwände.

Wichtig ist hier allerdings die Standortwahl für Nearshoring. Der Vorteil entsteht nur, wenn Sie von einem hohen Ausbildungsstandard vor Ort ausgehen können, weshalb wir uns bspw. für die Slowakei entschieden haben. Zudem sollte Ihr Nearshoring-Partner einen standardisierten Auswahlprozess einsetzen, der die fachliche Eignung der Teammitglieder sicherstellt.

3. Kulturelle & geografische Nähe

Bei einem Entwicklerteam aus dem DACH-Raum oder einem Inhouse-Team können Sie davon ausgehen, dass diese im Einklang mit Ihrer Unternehmenskultur und Arbeitsethik stehen. Oder einfach gesagt, die Entwickler „ticken richtig“ und man versteht sich auf Anhieb. Bei internationalen Teams ist das nicht automatisch gegeben – vor allem beim Offshore-Outsourcing in weit entfernten Ländern entstehen oft Probleme.

Beim Nearshoring hingegen haben Sie den grossen Vorteil, dass Sie durch die Zusammenarbeit mit Partnern in nahegelegenen Ländern kulturelle Unterschiede reduzieren. Das vereinfacht die Kommunikation und minimiert Missverständnisse. Ähnliche Zeitzonen ermöglichen zudem eine effiziente Abstimmung und schnelle Reaktionszeiten.

4. Flexibilität & Skalierbarkeit

Je nach Unternehmen und Business Case erfordern Software-Projekte nicht immer einen konstant hohen Personaleinsatz. Um flexibler skalieren zu können, ist das Outsourcing der Softwareentwicklung bereits der richtige Schritt.

Gerade im Mittelstand besteht der Bedarf an Softwareentwicklung kurz- und mittelfristig für die Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben. Nach Erreichen der Projektziele lassen sich die Mitarbeiter kaum sinnvoll weiterbeschäftigen und man ist gezwungen das Team zu reduzieren.

Nearshoring hat den Vorteil, dass Sie in Abstimmung mit Ihrem Nearshoring-Partner die Teamgrösse je nach tatsächlichem Aufwand relativ frei skalieren können. Damit das in der Praxis funktioniert, sind zwei Punkte wichtig:

  • Die Teamgrösse wird in regelmässigen Abständen geprüft und ggf. verändert, um auf beiden Seiten Planbarkeit zu schaffen.
  • Der Nearshoring-Partner setzt auf eingespielte Teams und ein standardisiertes Onboarding, um lange Vorlaufzeiten und Management-Overhead auf Ihrer Seite zu reduzieren.

5. Schnellere Time-to-Market

Nearshoring-Partner sind oft sehr effizient aufgestellt und setzen Projekte deutlich schneller um, als viele interne Strukturen es zulassen. Das führt zu einer verkürzten Time-to-Market und Sie profitieren schneller vom Nutzen Ihrer Software-Lösung.  

Damit das möglich ist, sollten Sie einen Nearshoring-Partner auswählen, der mit agilen Methoden arbeitet und das Rollout der Lösung nach dem MVP-Ansatz angeht. So bekommen Sie schon Feedback, dass Sie für die Optimierung verwenden können, während Ihr Produkt schon erste Umsätze generiert oder die neue Software bereits Ihre Betriebskosten messbar reduziert. 

Zudem profitiert auch Ihr Team oft davon, neue Vorgehensweisen kennenzulernen und eventuell sogar in die eigenen Prozesse zu integrieren – Nearshoring als Produktivitätsvorteil quasi.

4 mögliche Nachteile & Risiken von Nearshoring

Das Nearshoring von IT- und Software-Projekten bietet also viele Vorteile, hat aber – wie alles im Leben – auch Nachteile bzw. Risiken. Sie sollten diese Herausforderungen kennen, damit Sie ihnen proaktiv begegnen und das volle Potenzial von Nearshoring nutzen können. 

1. Sprachbarrieren

Geografische Nähe heisst nicht automatisch, dass Nearshore-Entwickler auch Deutsch sprechen. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass technische Kompetenz deutlich wichtiger ist und Übersetzungstools und eine klare Kommunikation die entscheidenden Faktoren sind.

Lösungsansatz: Achten Sie darauf, dass es eine gemeinsame Kommunikationsbasis gibt. Bei Riwers sprechen z. B. alle Entwickler Englisch. Auch die unternehmensinterne Dokumentation kann sich ein externes Team mithilfe von gängigen Übersetzungstools sehr schnell und ohne nennenswerten Kosten aneignen. 

2. Qualitätsstandards

Oft wird vermutet, dass externe Entwickler nicht die gleichen Qualitätsstandards ansetzen, wie ein Inhouse-Team. Mal abgesehen von der Tatsache, dass eine Festanstellung kein Garant für Qualität ist, sollten Sie natürlich bei der Auswahl Ihres Nearshoring-Partners darauf achten, dass dieser QA-Tests durchführt. 

LösungsansatzPrüfen Sie vor der Zusammenarbeit, ob der Nearshoring-Partner QA im Prozess mitdenkt und wie das Vorgehen aussieht. Fragen Sie auch nach, wie die Einstellungskriterien für das Nearshoring-Team die fachliche Kompetenz sicherstellen. 

3. Datenschutz & Sicherheit

Individuelle Softwareentwicklung ins Ausland zu verlagern, wirft häufig Fragen zum Schutz sensibler Daten auf. Datenlecks oder mangelnde Sicherheitsvorkehrungen können schliesslich ernste Folgen haben.

Lösungsansatz: Arbeiten Sie mit Nearshoring-Partnern, die strenge Sicherheitsvorschriften und die relevanten Datenschutzgesetze einhalten. Dazu gehört auch, dass der Nearshoring-Standort in einem Land liegt, das politisch stabil und ein etablierter Rechtsstaat ist (z.B. EU, Schengen, EFTA, Eurozone usw.). 

Standorte ausserhalb dieser rechtsstaatlichen Organisationen sind besonders ausführlich zu prüfen, da es einige Fallstricke in der rechtlichen Kollaboration mit Ihrem Unternehmen geben kann. Klare vertragliche Regelungen zum Umgang mit Daten schaffen zusätzliche Sicherheit. 

4. Abhängigkeit vom Nearshoring-Partner

Eine Software ist meistens kein einmaliges, sondern ein Ongoing-Projekt. Viele Unternehmen fragen sich also, ob Sie sich durch die Zusammenarbeit mit einem Nearshoring-Partner nicht in eine zu grosse Abhängigkeit begeben und stattdessen nicht lieber inhouse Ressourcen aufbauen sollten.

Lösungsansatz: Zunächst ist die Basis einer guten Softwareentwicklung (ob Nearshoring oder nicht) immer ein sauberer Code und eine gute Dokumentation, an die ein anderer Entwickler jederzeit anknüpfen kann. Zudem können Sie die Form der Zusammenarbeit auch selbst steuern. 

Bei Riwers können Sie z. B. wählen, ob wir die Softwareentwicklung komplett für Sie übernehmen sollen oder ob Sie durch ein Modell wie Software-Teams externe Entwickler ins Haus holen, sodass gleichzeitig ein Wissenstransfer gegeben ist.

Wie finde ich den richtigen Entwicklungspartner für Nearshoring?

Wir haben es jetzt schon mehrmals angedeutet, ein Faktor ist entscheidend für erfolgreiches Nearshoring – den richtigen Nearshoring-Partner zu finden. Beachten Sie deshalb folgende Kriterien, damit die Zusammenarbeit effektiv und reibungslos verläuft: 

  • Standortwahl: Der beste Standort für Softwareentwicklung ist ein Land mit stabilen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen; lassen Sie sich von einem potenziellen Partner genau zeigen, wo dieser wie rekrutiert und warum. Prüfen Sie zudem, welche rechtlichen und rechtsstaatlichen Gegebenheiten herrschen und wie diese Ihr Geschäft rechtlich beeinflussen.
  • Referenzen: Fragen Sie gezielt nach, ob der potenzielle Nearshoring-Partner bereits Projekte umgesetzt hat, die ähnliche Funktionalitäten abdecken, wie die, die Sie brauchen.
  • Kompetenzen: Jeder Entwicklungspartner arbeitet mit verschiedenen Technologien – lassen Sie sich weniger von bestimmten Tools leiten, sondern genau erklären, mit welchem Tech-Stack Ihre Anforderungen umgesetzt werden sollen und warum. 
  • Kostenstruktur: Nearshoring hat schon den Vorteil, kosteneffizient zu sein. Wichtig sind hier Transparenz und ein individuelles Angebot. Standardangebote verursachen oft unerwartete Zusatzkosten, weil nicht alle Individualitäten abgedeckt sind. Häufig werden auch sogenannte „Uplifts“ versteckt mitverrechnet.
  • Persönliches Kennenlernen: Vertrauen und Sympathie sind in der Zusammenarbeit wichtig, ein persönliches Treffen ermöglicht es, die Arbeitsweise und Unternehmenskultur des Partners besser einzuschätzen. Das gelingt mit einem lokalen Dienstleister mit einem Nearshoring-Angebot wesentlich besser als mit Nearshoring-Anbietern, welche höchstens einen Entsandten im Sales vor Ort präsent haben.

Als Nearshoring-Partner aus der Schweiz bietet Riwers Ihnen einen lokalen Ansprechpartner mit einem Entwicklungszentrum in der Slowakei. Damit stehen wir unter lokalem Recht, bieten Ihnen gleichzeitig Zugang zu einem internationalen Talentpool und können unsere Leistungen Ihrem Bedarf anpassen.  

Das kann bedeuten, dass wir remote, On-Site oder in einem hybriden Modell mit Ihnen zusammenarbeiten. Dabei können wir entweder die individuelle Softwareentwicklung ganz für Sie abdecken oder über die Bereitstellung spezialisierter Software-Teams bis hin zum Software-Department as-a-Service Ihre Inhouse-Ressourcen unterstützen.

Mehr als ein kurzfristiger Trend! Nearshoring-Vorteile haben Zukunftspotenzial

Kommen wir also nochmal zurück auf unsere anfängliche Frage: Ist Nearshoring nur ein Trend oder wirklich sinnvoll? Unserer Ansicht und Erfahrung nach ist Nearshoring definitiv ein Trend, aber einer, der gekommen ist, um zu bleiben. Unternehmen, die auf Nearshoring setzen, wollen in den allermeisten Fällen nie mehr zurück, weil sie die genannten Vorteile täglich erfahren.

Nearshoring bietet Unternehmen handfeste Vorteile, von einer grossen Kostenersparnis, über eine effektive Antwort auf den Fachkräftemangel bis hin zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Zugleich erleichtern kulturelle und geografische Nähe die Kommunikation, insbesondere im Vergleich zu Offshore-Outsourcing.

 

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